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Es gibt angenehmere Pressetermine. Am Donnerstagmittag gegenüber der Kläranlage zu stehen und den beißend-fauligen Geruch einer schäumenden braunen Brühe, die sich in den Regen ergießt, in die Nase zu bekommen, ist ein verzichtbares Erlebnis. Wenn dann noch anwesende Verantwortliche bei Nachfragen recht schweigsam werden, ist klar: Da ist etwas Schlimmeres passiert.

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Im Laufe des Tages kristallisiert sich auf Nachfragen unseres Medienhauses heraus: Ein Unfall bei Goldsteig am Dienstag hat zu einer Überlastung der Kläranlage geführt. Sie arbeitet nicht mehr ausreichend. 150 Liter mehr oder weniger ungeklärte Abwässer ergießen sich seitdem pro Sekunde in den Regen. Ein Krisenstab versucht seither, dem Klärgau Herr zu werden. Bürgermeisterin Karin Bucher, Abwassermeister Josef Mühlbauer, Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes und Goldsteig-Geschäftsführer Dr. Andreas Kraus stimmen sich über die weiteren Maßnahmen ab.

Produktion verringern

 

So will Goldsteig über die Feiertage seine Produktion noch deutlicher herunterfahren, als ohnehin geplant. Kraus: "Dadurch werden wir unsere Einleitungen in die Kläranlage über einen längeren Zeitraum drastisch reduzieren." Der Geschäftsführer schildert, wie es überhaupt zu dem Unfall gekommen ist: Im Zusammenhang mit den Umbauarbeiten der eigenen Kläranlage, die seit drei Monaten andauern, seie es zu einem Leitungsbruch gekommen. Und anstatt im Havarietank zu landen, seien 3000 Liter Molke direkt in die Kläranlage gelangt.

Eigentlich kein giftiger Stoff, aber sehr sauerstoffzehrend, was zu Problemen mit der biologischen Aufbereitung der Abwässer in der Kläranlage führen kann. Deshalb wird Molke, wenn überhaupt, dann nur in sehr kleinen Tranchen dem Abwasser beigefügt. Die Chamer Anlage ist wie viele dual aufgebaut. Die mechanische Reinigung funktioniert noch, die Bakterienstämme im biologischen Teil allerdings haben Schaden genommen und müssen sich, so die Hoffnung, in den kommenden Tagen wieder erholen. "Wir haben ein Maßnahmenpaket geschnürt." Kraus, der sich ausdrücklich für den Unfall entschuldigt, sagt, er sei guter Dinge, dass sich die Situation über die Feiertage wieder normalisiere.

Dass das nicht immer sofort funktioniert, zeigt ein Fall im schwäbischen Hergatz. Dort dauerte es lange, ehe der biologische Klärteil wieder funktionierte. Nicht einmal das Animpfen mit Klärschlamm aus einer anderen Kläranlage half.

Der Chamer Störfall hat auch die Fischer auf den Plan gerufen. Fischereiaufseher Hans Gleixner vom Fischerverein Cham besieht sich die Misere am Donnerstagmittag. Die Untertraubenbacher Fischer hatten ihn alarmiert, weil ihr Fischwasser weiter flussabwärts plötzlich dreckig war und stank. "Wir befürchten, dass es durch eine Verschlechterung des Sauerstoffgehalts im Regen zu einem Fischsterben kommen könnte", sagt Gleixner. Da geht es auch ums Geld: Denn die Chamer Fischer investieren jährlich rund 30 000 Euro in den Besatz, unter anderem für ein Artenschutzprojekt mit Barben, Nasen und Bachforellen. Zumindest vorläufig kann ihn hier Bernhard Köllner vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg beruhigen. Er hat für die ebenfalls anwesende Polizei Proben genommen und auf die Schnelle festgestellt: Zumindest der Sauerstoffgehalt passt noch.

Anlage entlasten

Dass das so bleibt, ist auch die Hoffnung von Bürgermeisterin Karin Bucher. Der Regen habe ein so großes Volumen, dass er die Einleitung verkraften könne. "Ich gehe davon aus, dass kein einziger Fisch stirbt." Leider habe man den Störfall erst bemerkt, als es bereits zu spät war. "Nun müssen wir eben reagieren und zusehen, die Anlage zu entlasten. Vom worst case, dem schlimmsten anzunehmenden Fall, gehe sie erst einmal nicht aus. "Schauen wir, wie es morgen ist." Pro Tag leitet Goldsteig übrigens zweieinhalb Millionen Liter Abwasser in die Chamer Kläranlage. "Das ist mehr als die Hälfte der Gesamtmenge, die geklärt wird."

Bliebe noch eine Frage: Wohin mit der ganzen übrigen Milch? Kraus: "Ein Problem. Andere Molkereien schreien nicht gleich Hurra, wenn man ihnen Milch verkaufen will."

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