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14 Tage lang wird im Regen nahe Loibling gebaggert. Es entstehen kleine Steinhaufen. Die heimischen Fischarten sollen profitieren.

 

Mit einem Bagger wird die Kiesbank im Regen nahe Loibling aufgelockert.

 

 

 

 

Cham Viele kleine Inseln aus Kies, die aus dem Wasser ragen: Die Steinhaufen sehen unspektakulär aus, doch sie sind das Ergebnis aufwendiger Baggerarbeiten im Regen bei Loibling. Für die heimischen Fischarten wird ein Riesenaufwand betrieben. Denn auch unter dem Wasser tut sich viel.

 

Die Rede ist von der Kiesbank-Renaturierung. Wie erstmals vor zehn Jahren, ist derzeit ein Bagger nahe Loibling im Regen im Einsatz und lockert die Kiesbank auf. “Wir waren damals Vorreiter. Und der Erfolg hat uns recht gegeben”, sagt Sepp Peinkofer, 2. Vorsitzender des Fischereivereins Cham. Nun ist der Bagger wieder zwei Wochen lang im Einsatz und schichtet knapp 5000 Kubikmeter Kies um. “Wir helfen mit maschinellem Einsatz nach und wollen die natürlichen Laichhabitate wieder auf Vordermann bringen”, sagt Peinkofer.

Eier mit Sauerstoff versorgen


Die Baggerarbeiten kommen der Fischbrut zugute. Die Fische legen den Laich im Frühjahr am Gewässergrund ab. Die Eier bleiben am Kies haften und werden durch die Zwischenräume gespült. Die gesamte Strömung sollte das Ei umschließen und es so mit Sauerstoff versorgen, sagt Peinkofer. Doch durch den Eintrag von Feinsedimenten wie beispielsweise aus Maisfeldern oder Humusabtrag, der abschwemmt, wurden die Zwischenräume in den Kiesbänken mit der Zeit gefüllt.

Auf der Oberfläche entsteht dann ein glatter Boden, wo beispielsweise Algen wachsen, die das Ei umschließen. Das Ei bekommt dann keinen Sauerstoff mehr. “Die Oberfläche ist fest wie ein Pflaster oder Waschbeton. Es lässt sich kein Kies mehr lockertreten. An diesen Stellen halten sich keine Fischnährtiere mehr”, sagt Peinkofer. Festgesetzte Kiesbänke sind also unbrauchbar.

 

Doch nur, wenn der Kies intakt sei, stiegen die Chancen, dass aus dem Ei ein Fisch werde, sagt der 2. Vorsitzende. Der Fischereiverein in Cham stellte deswegen beim Wasserwirtschaftsamt, das die Baustelle beaufsichtigt, einen Antrag. Über eine Baufirma biete das Amt einen Bagger an, sagt Helmut Holzer, Sachgebietsleiter Wasserbau. Von Blaibach bis Walderbach gebe es mehrere Stellen im Regen, an denen gearbeitet werde - unter anderem in Loibling.

Der Bagger lockert die Kiesbank auf, durchwäscht das Substrat vier bis fünf Mal und legt dann die sogenannten Leitbuhnen an. Diese “Inseln” bestehen aus Kies, Matsch, Algen und Wasserbausteinen und leiten die Strömung um. “Die Strömung wird so schneller und die Kiesbank bleibt locker”, sagt Peinkofer. Es komme Dynamik ins Wasser. “Durch die Leitbuhnen bricht das Wasser und die Fließgeschwindigkeit erhöht sich”, sagt Josef Stelzl, Bauaufseher bei der Flussmeisterstelle Roding. Der Kies werde so besser durch- und überströmt und die Spülwirkung verbessere sich. Hierdurch spüle es die Feinsedimente weiter. “Die Kiesbank wird sozusagen saubergewaschen. Die Strömung soll das Kiessystem putzen”, sagt Peinkofer.

 

Der Baggerfahrer häuft die Lenkbuhnen im 30-Grad-Winkel an und sieht dann, wie sich die Strömung verhält. So kann er die Strömung während des Einbaus der Leitbuhnen noch verändern. “Der Baggerfahrer modelliert das Strömungssystem”, sagt Peinkofer. Neben den Leitbuhnen legt der Bagger Vertiefungen im Regen an. “Bestimmte Fische brauchen die Tiefwasserzonen”, sagt er. So zum Beispiel der Zander. Es gebe verschiedene Lebenszonen, wo sich eine einzelne Fischarten wohlfühlen. Die Barbe beispielsweise brauche strömendes Wasser.

 

Bestände sollen wieder wachsen


Durch die Arbeiten sollen die Fischbestände im Regen wieder wachsen. “Die heimischen Fischarten gibt es nicht mehr in der Zahl wie früher. Der Bestand geht seit Jahren zurück. Die kieslaichenden Arten wie die Forelle oder die Barbe gab es vor 40 Jahren noch in Massen”, sagt Peinkofer. Die Gründe: verschlammte Laichplätze oder Fischfresser wie beispielsweise Fischotter, Mink oder Kormoran. Die Nase zum Beispiel, die zur Familie der Karpfenfische gehört, wird von Seiten des Vereins seit fünf Jahren geschont. Der Bestand sei nicht mehr befischbar.

 

Der Fischereiverein Cham stützt die Bestände hauptsächlich durch sogenannte Besatzmaßnahmen. Die Mitglieder setzen hierbei Jungfische von gefährdeten Fischarten wie Rotaugen oder Rotfedern in das Gewässer ein. Den Verein, der für zehn Kilometer des Regens ein Fischereirecht besitzt und es für weitere acht Kilometer gepachtet hat, kosten diese Maßnahmen etwa 37 000 Euro pro Jahr. “Es ist finanziell nicht mehr zu schultern, wenn der natürliche Bestand weiter abnimmt”, sagt Sepp Peinkofer. Doch dem soll die Kiesbank-Renaturierung entgegenwirken.

 

Die Wasserrahmenrichtlinie

 

Ziel: Die Europäische Union habe mit der Wasserrahmenrichtlinie in allen Mitgliedsstaaten einheitlich geltende Umweltziele für den Schutz des Grundwassers und der Oberflächengewässer aufgestellt, schreibt das Bayerische Landesamt für Umwelt auf seiner Website. Bis spätestens 2027 sollen Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser einen guten Zustand erreichen.

Plan: Als Referenz gelten die natürliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren in den Gewässern, deren unverfälschte Gestalt und Wasserführung sowie die natürliche Qualität des Oberflächen- und Grundwassers. Josef Stelzl, Bauaufseher bei der Flussmeisterstelle Roding, sagt, dass die Kiesbank-Renaturierung am Regen eine Aufwertung im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sei. (Bericht Bayerwald Echo vom 23.06.2020) (lm)

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